Zur Seniorenwanderung am 1. Juni machte sich Wf. Helga Giesen mit 21 WanderInnen bei überwiegend angenehmem Wetter auf eine Runde durch den Aachener Wald.


Gestartet wurde am Waldfriedhof, dem wegen der trotz des vorangegangenen schlechten Wetters noch schön blühenden, riesigen Rhododendren ein Besuch abgestattet wurde. Der Weg führte dabei auch über den ca. 8,6 Hektar großen Ehrenfriedhof, der heute eine Einheit mit dem ca. 22 Hektar großen Waldfriedhof, der ab 1930 belegt wurde, bildet.

 

Der Ehrenfriedhof wurde ab August 1914 als Soldatenfriedhof genutzt und erstreckt sich vom ehemaligen „Cholera-Friedhof“, der ab 1832 vor den Toren der Stadt angelegt wurde, bis zum Bismarckturm, der Anfang des 20. Jahrhunderts auf einem Hügel errichtet wurde und damals ein beliebtes Ausflugsziel für die Aachener Bevölkerung war.
Auf dem Ehrenfriedhof befinden sich 5.083 Gräber von Opfern von Kriegs- und Gewaltherrschaft. Neben den Gefallenen beider Weltkriege sind hier auch die zivilen Opfer der Bombenangriffe auf Aachen sowie 52 Verfolgte des Nationalsozialismus bestattet. Zentrale Gedenkstätte ist der Ehrenhof mit Hochkreuz. Angelegt wurde dieser bereits vor der Erweiterung von 1917, aber seine heutige Form entstand bei einer Umgestaltung von 1933/34. Das 5,84 Meter hohe und 30 Tonnen schwere Steinkreuz aus belgischem Granit wurde 1957 errichtet. Es stammte vom deutschen Ehrenfriedhof in Ougre‘e Boncelles bei Lüttich.

Das Restaurant Bismarckturm kennen wohl viele, aber kaum jemand den Namensgeber. Der Aachener Bismarckturm auf dem Ehrenfriedhof ist einer von 173 noch vorhandenen der ehemals 240 Bismarcktürme und -säulen, die zum Andenken an den Gründer des Deutschen Reiches Otto von Bismarck (1815–1898) weltweit erbaut worden sind.
So wie die meisten Bauwerke, die zwischen 1869 und 1934 errichtet wurden, ist auch der Aachener Bismarckturm Anfang des 20. Jahrhunderts in Auftrag gegeben und am 22. Juli 1907 durch den damaligen Bürgermeister Philipp Veltman eingeweiht worden. Mit ihm sollte auch an die Zeit erinnert werden, in der Otto von Bismarck als Regierungsreferendar in Aachen tätig war, bevor er in die Politik ging. (Weitere Infos zum Bismarckturm aus der Broschüre „100 Jahre Ehrenfriedhof“ siehe unten)
Nach dem Verlassen des Friedhofs an der Fußgängerampel am Bismarckturm erwischte die Wanderer ein heftiger Regenschauer, für den Rest des Weges durch den Wald „zwischen den Ampeln“ rechts und links der Monschauer Straße blieb es aber trocken. Die Runde führte vorbei am Waldstadion über den „Philosophenweg“ in Richtung Staubecken Kupferbach (angelegt 1929, Zweck unbekannt, heute von einem Anglerverein genutzt) zur „Pionierquelle“. Diese wurde im Jahr 1940 von einer Pioniereinheit der Wehrmacht angelegt. Die Soldaten fassten mit ihrem Bauwerk einen Wasserlauf entlang eines Grabens ein und gaben der Quelle ihren Namen. [Die eigentliche Quelle befindet sich etwa 250 Meter vom Wasserauslauf entfernt.] In der Nachkriegszeit wurde die Quelle von der AachenerBevölkerung zum Waschen und auch als Trinkwasserstelle genutzt. Mitte der 1950er Jahre wurde sie zerstört und versiegte im Jahr 1965 ganz. Anfang der 1970er Jahre richtete die Aachener Reservisten-Arbeitsgemeinschaft Marine das Quellenbauwerk wieder her. (www.lebendiges-aachen.de)
Nach dem Überqueren der Monschauer Straße an der „Pferdeampel“ führte der Weg weiter in Richtung Süden bis an die Grenze des ehemaligen Camp Hitfeld und entlang des Beverbachs, der zweimal gekreuzt wurde, wieder nach Norden zurück zum Parkplatz am Waldfriedhof.
Helga Giesen

Der Bismarckturm auf dem Ehrenfriedhof
Am 26. Februar 1904 stimmte die Stadtverordnetenversammlung dem Bau eines „Bismarckturms“ zu, vorausgesetzt er würde ohne Befeuerungsmöglichkeiten ausgeführt werden. Neben dem ehemaligen Reichskanzler sollte das Denkmal zugleich den Aachener Ehrenbürger Helmuth Graf von Moltke (1800–1891) und Albrecht von Roon (1803–1879) würdigen. Das Grundstück, eine Anhöhe auf dem heutigen Ehrenfriedhof, stellte die Stadt dem Denkmalkomitee unter Vorsitz von Robert von Goerschen kostenlos zur Verfügung. Bereits am 22. Juni 1907 konnte das vom Architekten Prof. Georg Frenzen geschaffene Bauwerk zu Ehren Otto von Bismarcks feierlich eingeweiht und die Schlüssel an Oberbürgermeister Philipp Veltman übergeben werden. In der Reihe der bundesweiten „Bismarckdenkmäler“ beweist das Aachener Ehrenmal eine gewisse Originalität. Sein Turm ragt in der Form eines bekrönten großen B rund 27 Meter in die Höhe. Gemauert aus Backstein, mit einer Außenverschalung aus Grauwacke-Natursteinen und Basaltsteinen im Bereich der Herzogkrone ist der Turm seit mehr als 100 Jahren ein steinernes Wahrzeichen der Stadt, in der Bismarck seine Rechtsreferendarzeit verbrachte. Neben seiner Büste fertigte Prof. Karl Krauß (1859–1906) auf den drei Rundbogenportalen des Untergeschosses auch die Büsten Moltkes und Roons. Hoch über sie hinaus erhebt sich ein viergeschossiger Turmschaft. In seinem Inneren führen zwei getrennte Treppenanlagen mit je 101 Stufen zum Geschoss unterhalb der Aufsichtsplattform. Dann sind es nur noch 20 Stufen auf einer metallenen Wendeltreppe, bevor sich ein einzigartiger Blick auf den Talkessel von Aachen und die umgebenden Höhen bietet. Dieses Erlebnis ließen sich die Aachener Familien in der Vergangenheit einiges kosten: Zehn Pfennig mussten Erwachsene und fünf Pfennig die Kinder bezahlen, bevor der Aufstieg erlaubt war. Seine Höhe und Lage zog den Bismarckturm aber auch ins Kriegsgeschehen. Im 2. Weltkrieg wurde eine Flak auf dem Turm aufgestellt und er wurde so beschädigt, dass er nach Kriegsende wegen Baufälligkeit lange gesperrt blieb. Nach dem Sichern der Bausubstanz sorgte eine Bürgerinitiative in den 1980er Jahren für die weitere Sanierung und 1988 für die Wiedereröffnung des in die Denkmalliste der Stadt Aachen eingetragenen Turms. Leider rüttelte ein Erdbeben 1992 nochmals an der Statik des Bauwerks. Die Sicherungs- und Sanierungskosten in Höhe von fast 500.000 DM wurden zu großen Teilen aus Landesmitteln des Denkmalschutzprogrammes finanziert. Wer heute dieses geschichtsträchtige Ausflugsziel besichtigen möchte, muss keine Pfennige oder Cents mehr bereithalten, sondern
sich nur den Schlüssel am Pförtnerhaus des Waldfriedhofes abholen.

 

Fotos: H.Baumsteiger,  Zusammenst./Aufber.: K. Heidtmann