Am Sonntag haben wir den 2. Teil der 2. Etappe des Wildnis Trails in Angriff genommen und damit die Serie aus den Jahren 2018 – 2020 fortgesetzt. Zum einen war das Wetter zum Startzeitpunkt nicht besonders einladend, zum anderen wies die Strecke bei einer Länge von ca. 16 km fast 450 Höhenmeter auf, die sich auf mehrere Auf- und Abstiege verteilten.

Aber ein Dutzend Wanderfreunde und -freundinnen hatten diese Herausforderung angenommen und sich mit Wf. Helga Giesen auf den Weg gemacht. Das anfangs recht usselige Wetter besserte sich schnell und am Nachmittag kam sogar die Sonne zum Vorschein.

 

Wegen Corona war die Streckenwanderung von Einruhr nach Gemünd in zwei Rundwanderungen aufgeteilt worden, um eine Busfahrt zu vermeiden. Eigentlich hätten wir, um die gesamte Strecke „korrekt“ abzuwandern, in Wollseifen, dem Endpunkt (bzw. Wendepunkt) unserer Etappe im vorigen Jahr, starten müssen. Aber schon der Weg von einem Parkplatz nach Wollseifen und dann durch das steile Tal des Neffgenbachs nach Vogelsang hätte einige Kilometer und auch Höhenmeter zusätzlich gekostet. Deshalb haben wir ein bisschen gemogelt und sind nicht genau in Wollseifen-Mitte gestartet. Immerhin sind wir aber über einen Teil der ehemaligen Dorfstraße gewandert und konnten so die etwas außerhalb gelegene Kapelle besuchen, die neben Kirche, Schule und Trafohäuschen das vierte, noch erhaltene Gebäude des ursprünglichen Dorfes ist.
Der Weg führte zunächst von Morsbach aufwärts in Richtung Walberhof und weiter über die Dreiborner Hochfläche in Richtung Vogelsang. Auf Höhe des Eingangstors zum zentralen Gelände (Malakoff-Gebäude) überquerten wir die Zufahrtstraße. Ab hier folgten wir dem Wildkatzen-Logo des Wildnis Trails bis nach Gemünd und begannen mit recht steilen Abstieg über Pfade und Treppen durch Eichenmischwald mit Parzellen von zusammenbrechenden Fichtenbeständen ins Tal des Morsbachs. Am jenseitigen Hang ging es dann ebenso steil wieder hinauf und über den Aussichtspunkt Kickley, der einen schönen Ausblick auf den Urftbogen bot, erreichten wir den „Eifelblick“ Modenhübel. Die Bananenpause konnten wir mit einem imposanten Rundumblick auf Vogelsang, Gemünd und den Kermeter genießen. Der Höhenrücken des Kermeter war der entscheidende Grund für die Ausweisung des Nationalparks Eifel am 1.1.2004. Mit seinen alten Buchenwäldern ist er das ökologische Herzstück des 110 km² großen Gebiets. Hier waren wir auf der 3. Etappe 2019 unterwegs. Nachdem dann 2020 die Offenlandfläche der Dreiborner Hochfläche mit Wollseifen im Mittelpunkt stand, waren wir auf der heutigen Tour wieder im Wald im Grenzgebiet zwischen Kermeter und Dreiborner Hochfläche unterwegs und konnten das Motto des Nationalparks „Natur Natur sein lassen“ hautnah erfahren. Wieder ging es dann bergab, diesmal in ein enges Bachtal, das die für Schluchtwälder typischen Merkmale aufwies – schattige Hänge, hohe Luftfeuchtigkeit, hier mischen sich Baumsorten wie Bergahorn, Bergulme und Esche unter die Buche. Ein Hangweg oberhalb der Urft führte schließlich an den Rand des Kurzentrums von Gemünd. Hier bot sich eine Bankgruppe zur wohlverdienten Mittagpause an. Da das Nationalparktor im Kurpark durch die Flut komplett zerstört worden war, wurde schon ab hier der Rückweg angetreten. Er folgte weitgehend dem Wanderweg 14 durch das Lahsbachtal. Nach einem letzten Anstieg wurden die am Ortsrand von Morsbach geparkten Autos erreicht.

Einige Stichworte zu Vogelsang: Erbaut in drei Bauabschnitten von 1934 – 41 vom Kölner Architekten Clemens Klotz (auch verantwortlich für Prora auf Rügen). Die „Ordensburg“ sollte der Ausbildung von sog. Junkern, künftigen Führungskräften der NSDAP, dienen. Obwohl nicht einmal zur Hälfte fertiggestellt, ging die Anlage1936 in Betrieb. Mit Kriegsbeginn 1939 wurde der Schulbetrieb eingestellt, die Junker eingezogen und das Gelände der Wehrmacht übergeben. Es diente unterschiedlichen Nutzungen. U. a. wurde eine Entbindungsanstalt für aus dem Rheinland und der Eifel evakuierte werdende Mütter eingerichtet, 15- bis 16-Jährige in ein Wehrertüchtigungslager gesteckt und für kurze Zeit eine Jagdfliegerstaffel stationiert. Im Januar 1945 wurde die Anlage geräumt.
Nach dem Krieg wurde das Gelände zunächst von den Briten und von 1950 bis 2005 von den belgischen Streitkräften genutzt. Seit dem 1.1.2006 ist das Gelände wieder öffentlich zugänglich. Sehr empfehlenswert ist die 2016 eröffnete Ausstellung „Bestimmung: Herrenmensch“.
Der Name Malakoff für das Eingangsgebäude geht zurück auf das Fort Malakoff bei Sewastopol auf der Krim, das 1855 von den Franzosen eingenommen wurde. Durch kriegsverherrlichende Berichte wurde der Name zum Synonym für Stärke und Monumentalität und stand künftig für massive Zweck- oder Kriegsbauwerke, z. Bsp. diverse Wachtürme wie am Kölner Rheinauhafen oder Fördertürme im Ruhrgebiet.

 

Fotos: H.Baumsteiger, Zusammenst./Aufber.: K. Heidtmann