24 Wanderfreunde und -freundinnen trafen sich am ehemaligen Bahnhof in Monschau. Nach einem kurzen Stück Ravel in Richtung Konzen ging es dann links hoch zum Kirschensteinweg und danach zum Schiffenborn. Nach einer letzten heftigen Steigung zur Worbelsheide wurde der Anstieg sanfter, schließlich waren ja 200 Höhenmeter bis zur belgischen Grenze zu überwinden.

Die Aussicht auf das Monschauer Heckenland und die weitere Umgebung wurde immer besser, und bald war der von Konzen kommende Kaiser-Karl-Weg erreicht. Über einen schönen Pfad am Waldrand gelangte die Gruppe an eine Kahlfläche im Wald, wo demnächst ein Funk-und Aussichtsturm errichtet wird. Sicher wird dann von dort oben bei klarer Sicht auch der Kölner Dom zu sehen sein.

 

Am Steling vorbei, dem mit 658m höchsten Punkt der Städteregion Aachen, verlief im Mittelalter der Öslinger Weg, eine wichtige Nord-Süd-Verbindung zwischen Aachen,
Reinartzhof und Trier.
Über den Waaneschlachswäsch gelangte man zum Eifelblick, von dem man eine überwältigende Aussicht hat: Von der Schneifel mit dem "Schwarzen Mann" hinüber nach Hellenthal, Schöneseiffen, Herhahn, Aremberg und Hohe Acht, dem Stockert mit seinem Astropeiler bei Bad Münstereifel und - bei klarer Sicht - dem Siebengebirge reicht der Blick. Am Rand des Betonwegs wächst übrigens, wie später in der Nähe des Ravel, die Blume des Jahres 2021, der Große Wiesenknopf. Es wurden noch ein in der Luft rüttelnder Turmfalke und tief über die Wiesen jagende Rauchschwalben gesichtet.
Angesichts der Steinmauern, die ein Wegekreuz umfassen, informierte der Wanderführer über die aus kleineren Quarzitbrocken zusammengesetzten Feldmauern, die Mützenicher Bauern bei der Kultivierung des Ackerlands in grauer Vorzeit aus dem Boden holten und am Wiesenrand aufschichteten. Diese heute leider kaum noch vorhandenen Grauwackenzäune waren typisch für Mützenich und einmal Thema eines Motivwagens im Mützenicher Erntedankzug: "Was Kaiser Karl schon wußte, die Waggen vom Venn dienen zum Schutze". "Vennwagge" ist auch der Spitzname für die Mützenicher.
Über ein kleines Teilstück des Eifelsteigs ging es zu Kaiser Karls Bettstatt, einem sagenumwobenen Platz mit riesigen Quarzitblöcken aus der Kambriumzeit (500 Mio. Jahre alt). Hier soll Kaiser Karl auf einem seiner Jagdausflüge mit seinem Knappen übernachtet haben. Anstelle der hohen Fichten, die bis zum Wüten des Orkans "Wiebke" 1990 hier standen, hat die Natur längst Neues geschaffen: Ebereschen, Birken und Erlen bestimmen heute die Umgebung.
Ein völlig anderes Bild bot dann der Abstecher ins Brackvenn, wo der Weg auf Holzstegen durch ein schönes Stück Venn führte. Hier hat die belgische Forstverwaltung die nicht heimischen Grauerlen entfernt und dadurch eine offene Landschaft geschaffen, wobei auch die Wegstrecke verändert wurde.
Am Rand des Holzstegs blühten noch etliche Exemplare der gelben Vennlilie, auch Beinbrech genannt.
Nach Überqueren der Eupener Straße wurde die Mittagsrast am Grenzweg-Parkplatz eingelegt. Danach informierte der Wanderführer über die "Revolte von Mützenich", ein hochinteressantes Stück Zeitgeschichte nach dem 2. Weltkrieg. Damals hatte Belgien zunächst mit Erfolg bei den Siegermächten die Annektierung der durch die 1920 erfolgte Übernahme der Vennbahn entstandenen Enklaven und der Orte Roetgen und Mützenich erreicht, dies aber später wieder verworfen. In Mützenich gab es jedoch genug Bürger, die lieber zu Belgien gehören wollten, weil sie ja dort noch Ländereien besaßen. Das sah man
in Aachen und Düsseldorf als Landesverrat an und suspendierte den Gemeinderat. Später, als materielle Hilfen deutscherseits zugesagt wurden, glätteten sich die Wogen und der Gemeinderat wurde wieder eingesetzt. Einen ausführlichen Bericht über diese Episode kann man im Jahrbuch 2014 des Geschichtsvereins Monschauer Land nachlesen. In dieser Zeit blühte auch der Schmuggel tüchtig, als die Bevölkerung die kargen Zeiten mit Kaffee-und Zigarettenschmuggel überbrückte.
Durch ein teils nasses Stück Wald kam man nun zu den Bauernhöfen am Plattevenn. Um 1900 wurden hier Bauern angesiedelt, die das Land urbar machten.
Über schmale Sträßchen und Feldwege ging es schließlich wieder hinunter zur Reichensteiner Straße. Nach Durchqueren der Siedlung Weilersbroich und einem
ganz kurzen Regenschauer erreichte man oberhalb der Grillhütte, wo lautstark offensichtlich ein Fest gefeiert wurde, den Ravel. Über einen parallel verlaufenden Wiesenpfad, an dem noch eine Heilpflanze, der Heilziest, gefunden wurde, und einen Feldweg kam der ehemalige Bahnhof Monschau und damit das Ziel in Sicht.  Die Streckenlänge betrug 12,5 Km.

Rolf Berger

Fotos: H.Baumsteiger, K. Heidtmann, B.Klinkenberg.  Zusammenst./Aufber.: K. Heidtmann