Am Samstag, den 11. Mai besichtigten 31 Interessierte des EV Roetgen, gemeinsam mit weiteren des EV Lammersdorf, in zwei Gruppen den Laien bisher unzugänglichen Klausurbereich des Klosters. Vorbei am Speisesaal für Gäste (die immer willkommen waren, aber separat von den Mönchen lebten und eben auch verpflegt wurden), gelangten wir in den ältesten, noch bestehenden Teil des Klosters – in den Kreuzgang. Errichtet wurde die Anlage nicht allein von Mönchen, sondern auch von Handwerkern der umliegenden Ortschaften, wie den zwecks Abrechnung eingeritzten, zahlreichen Steinmetzzeichen zu entnehmen war.


Neben
• altem und neuen Kapitelsaal: Versammlungsraum - in dem demokratisch über allgemeine Entscheidungen wie z.B. die Aufnahme eines neuen Mitgliedes oder die Wahl des Abtes entschieden wurde
• Refektorium: Speisesaal
◦ eingedeckt mit zweihenkeligen Trinkgefäßen, um sich als Kinder Gottes zu begreifen
◦ mit Kreuz, das am Platz verstorbener Mitglieder 30 Tage lang aufgestellt wurde
• Rosenkranzkapelle (mit Teufelchen im Fenster, um an die ständige Versuchung zu erinnern)
• Bibliothek mit zahlreichen Werken über alle Arten von (Welt)religionen
• Innenhof mit Brunnen, Paradiespforte und Blick auf den für Zisterzienser typischen Dachreiter (anstatt eines Glockenturmes)
• Blick auf den Friedhof
konnten wir im Untergeschoß die zahlreichen (schlichten) Kapellen besichtigen, die den zu Priestern geweihten Mönchen zum parallelen Abhalten der Messe dienten. Leider sind alle wunderbaren Glasfenster in der Franzosenzeit ausgebaut worden und befinden sich heute in zahlreichen Museen weltweit verstreut. Wenige Dias aus einer früheren Sonderausstellung konnten die Farbenpracht, aber auch die Bezüge auf die nähere Umgebung (z.B. Burg Hengelbach) verdeutlichen.
Beide Führungen wurden von Mitgliedern des Fördervereins so exzellent und mit zahlreichen Anekdoten und Detailinformationen gespickt, das die 2 h wie im Fluge vergingen. Die vereinbarte Einkehr fand anschließend in der Klostergaststätte statt, die mehr als nur die legendäre Erbsensuppe zu bieten hat.
Diana Hofmann


Einiges zur Geschichte der Abtei Mariawald – basierend auf Wikipedia und Informationen der Führung:


Die Geschichte der Abtei Mariawald wurzelt in der Aufstellung einer Pietà im Wald bei Heimbach – die 1470 der Heimbacher Strohdachdecker Heinrich Fluitter kaufte und in einem hohlen Baumstamm zur Verehrung aufstellte. Dieser Platz erwies sich jedoch als zu einsam, so dass er eine hölzerne Kapelle an einer Wegkreuzung baute und fortan die Pietà dort aufstellte.
1479 ersetzte der Heimbacher Pfarrer Johann Daum die Kapelle durch eine hölzerne Kirche und bat die Zisterzienser aus dem Kloster Bottenbroich um Hilfe bei der Wallfahrtsbetreuung. Mit Urkunde vom 10. November 1480 schenkte er schließlich die Kirche samt Pietà dem Zisterzienserorden, der dort mit dem Bau eines Klosters begann - 1481 wurde die Kirche geweiht, am 4. April 1486 bezog die erste Mönchsgemeinde das neu errichtete Kloster = Gründungsdatum der Abtei, die den Namen Nemus Mariae (Mariawald) erhielt.
1494 wurde begonnen, die hölzerne Kirche durch einen Steinbau zu ersetzen. Um 1520 wurde die Pietà in ein Antwerpener Retabel, das verschiedene Szenen aus dem Leben Jesu – von Verkündigung bis Tod und Auferstehung – zeigt, integriert. 1539 wurde die neue, steinerne Kirche geweiht.
Als 1794 die französische Revolutionsarmee linksrheinische Gebiete besetzte, kam die Abtei unter französische Herrschaft. Am 2. April 1795 wurde das Kloster aufgehoben, Land und Inventar versteigert. Die Pietà von Mariawald wurde mit dem Antwerpener Retabel am 22. Juni 1804 in die Heimbacher Pfarrkirche St. Clemens gebracht. Noch heute stehen beide Objekte in Heimbach, inzwischen in der direkt an die alte Pfarrkirche angebauten, 1981 geweihten Salvatorkirche.
1860 kaufte Ephrem van der Meulen, Abt der elsässischen Trappistenabtei Ölenberg, das Klostergut. Im Februar 1861 kamen zwei seiner Brüdermönche nach Mariawald und begannen mit dem Wiederaufbau der Klosteranlage. Im April 1862 wurde das reguläre Klosterleben wieder aufgenommen. Beendet werden konnte der Wiederaufbau des Klosters nach Plänen von August Carl Lange erst 1891, da die Aufbauarbeiten durch den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und den Kulturkampf unterbrochen worden waren. Zwar mussten die Mönche von September 1875 bis Oktober 1887 das Kloster verlassen - durch den preußischen Staat enteignet werden konnte das Kloster aber nicht, da immer noch die Person van der Meulen als Eigentümer des Klostergutes eingetragen war.
Am 21. Juni 1941 schließlich wurde das Kloster wegen „staatsfeindlicher Aktivitäten“ aufgelöst, die Mönche zum Wehrdienst eingezogen. Im Zuge der Ardennenoffensive wurde das Kloster am Kriegsende absichtlich von den deutschen Truppen zum großen Teil zerstört. Am 28. April 1945 nahm Pater Christopherus Elsen, der vom Abt von Ölenberg zuvor zum Superior ernannt wurde, das Kloster wieder in Besitz, anschließend sehr schnell Kontakt zu den vertriebenen Mönchen auf, die sich größtenteils wieder im Kloster einfanden.
Im Januar 2018 hat die Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens in Rom die Schließung und den Verkauf des Klosters noch im selben Jahr be-schlossen. Die Mönche hatten ein Durchschnittsalter von 84 Jahren, und der Konvent − so die Begründung der Schließung − könne sich nicht mehr selbst versorgen.
Mariawald soll jedoch auch nach dem Weggang der Mönche ein geistlicher Ort bleiben. Die Klostergaststätte, der Klosterladen und die Likörmanufaktur werden durch einen Förder- und Trägerverein weitergeführt. Das Eigentum an den Abteigebäuden ging von dem bisherigen Träger-verein „Trappistenkonvent Mariawald“, dem nur Mönche angehören konnten, auf den Verein „Kloster Mariawald“ über, dem satzungsgemäß auch Nichtmönche angehören können, die der Bischof von Aachen ernennt – so gehört zu den Mitgliedern u.a. auch der Bürgermeister von Heimbach und das Bistum Aachen.

Anmerkunger zur Reihenfolge der Fotos:  Die Fotos entstanden beim Rundgang der 1. Gruppe, deshalb eine andere Reihenfolge als in der Beschreibung.

K. H.

 

Fotos: K. Heidtmann, D. Hofmann.  Zusammenstellung/Aufbereitung: K. Heidtmann