Am Sonntag, 1.3.2020 wurde die am Karnevalssonntag dem Sturmtief Victoria zum Opfer gefallene „Hüttenwanderung“ nachgeholt. Zum zweiten Versuch starteten bei nunmehr bestem Wetter mit viel Sonne und nur leichtem Wind 17 Wanderfreunde zu einer Tour kreuz und quer durch den Roetgener Wald.

 

Zwar hatten sich auch eine Woche zuvor 15 Wanderwillige am Markt eingefunden, jedoch schien Wf. Helga Giesen angesichts der bei der Vorwanderung festgestellten Schäden durch Sturmtief „Sabine“ das Risiko wegen der für den Sonntag angekündigten neuerlichen Sturmböen zu groß. Neben den Verwüstungen durch den Tornado vor einem Jahr gab es nun zahlreiche weitere, offensichtlich frisch gefällte Bäume, andere waren geborsten oder standen in bedenklicher Schieflage. Zwei Wegeabschnitte waren nicht mehr passierbar.
Eine Woche später konnte die Wanderung nun problemlos durchgeführt werden, auch wenn sie wegen der notwendigen Umgehungen ca. 1 km länger geworden war und auch einige Höhenmeter zu bewältigen waren. Der Start am WP Kuhberg liegt auf ca. 375 m, der erste Anstieg führte hinauf zum Rakkesch auf 480 m und der „Gipfel“ war mit 563 m kurz hinter der Hütte Butterstrauch erreicht – dazwischen gab es natürlich einiges weitere Auf und Ab.
Nacheinander wurden die fünf Hütten im Kindergartenwald, auf Rakkesch, am Dreilägerbach, An den drei Teichen und am Butterstrauch erreicht. Zu diesen Punkten sowie zu weiterer Infrastruktur für Wanderer, die in den letzten 20 Jahren von der Ortsgruppe (mit)finanziert worden war, gab die Wf. einige Erläuterungen (s. u.).
Auf weite Strecken begleiteten Dreilägerbach, Schleebach und Schleebachhanggraben den Wanderweg, die mit ihren zurzeit enormen Wassermengen ein beeindruckendes Schauspiel boten. Eine erste Verschnaufpause wurde nach dem Aufstieg vom Vorbecken an der Dreilägerbachhütte eingelegt, an der schön gelegenen Hütte An den Drei Teichen die Mittagrast gehalten. Über die Hütte Butterstrauch führte der weitere Weg – nunmehr immer gemütlich bergab – über den Hubertusweg zur „Ehrenallee“ des Roetgener Heimat- und Geschichtsvereins. Seit 2016 ehrt dieser jährlich ein Mitglied, das sich besonders um die Roetgener Heimatgeschichte verdient gemacht hat, durch eine Plakette sowie die Pflanzung eines Baums an dieser Stelle in der Nähe der Wilhelmstraße. Erster Preisträger war unser Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender Rolf Vogel (+2019), an den nun eine Vogelkirsche erinnert. Danach war entlang der Rakkeschwiesen und des Schleebachgrabens sowie über einen letzten, etwas steileren Abstieg mit schönen Ausblicken über den Ort und bis zum Münsterwald schnell der Ausgangspunkt erreicht. Im Café Moss an der Bundesstraße gab es die wohlverdiente Schlussstärkung.

Infrastruktur im Roetgener Wald, in den letzten 20 Jahren (mit)finanziert von der OG Roetgen

1999 Kindergartenwald - Aussichtshütte
Seit Anfang der 2000er-Jahre wurden über mehrere Jahre verteilt zahlreiche Bänke aufgestellt sowie der früher einmal vorhandene Waldlehrpfad wiederbelebt und mit vielen neuen Infotafeln bestückt
2003: Einweihung Hubertus-Teiche mit Sitzgruppe, entstanden durch Renaturierung in den 1990er-Jahren im Verlaufe mehrerer Entfichtungs- und Renaturierungsmaßnahmen unter Beteiligung u. a. der Orts- und Jugendgruppe
2003: Schleebachbrücke (Islandpferdefreunde); H.Talkenberg-Steg am A3 erneuert
2006: Dreilägerbachhütte
2007: Wanderhütte An den drei Teichen. Die Feuchtbiotope mit inzwischen vielfältiger Flora und Fauna, die der Hütte ihren Namen gaben, entstanden ebenfalls durch Renaturierung in den 1990-Jahren
2009: Schildersystem zur Orientierung für ortsunkundige Wanderer installiert

Rakkesch: Bis 1815 vorwiegend Eichen- und Buchenwald, von Bevölkerung als Viehweide genutzt; Preußen forsten gegen deren Widerstand mit Fichten auf, lassen jedoch auf Drängen einige „Inseln“ stehen, die weiterhin als „Läger“ zum Weiden genutzt werden konnten. Letzte heute noch vorhandene Naturdenkmaler sind Rakkesch mit Buchenbestand sowie Platte Eich südlich des Roten Wegs; Unter anderem soll es neben mehreren anderen auch ein Wilms-Läger (Willemslägerweg) gegeben haben, wurde jedoch schon 1845 abgeholzt.
Rakkeschfeste wurden schon vor dem 1. Weltkrieg vom damaligen Theaterverein, in den 1930er Jahren von der Kath. Jugend ausgerichtet. 1957 vom Ortskartell wiederbelebt und bis in die 70er Jahre (Tanzpodium, Rutschbahn u. ä.) gefeiert.

Die Hütten auf Rakkesch und am Butterstrauch wurden in den 1960/70er-Jahren vom Verein Naturpark Nordeifel errichtet.

 

Fotos: H.Baumsteiger, Zusammenst./Aufber.: K. Heidtmann