Themenwanderung der Naturschutzwarte am 23.03.2019

Treffpunkt für die Exkursion war der Wanderparkplatz „Brandenburger Tor“ zwischen Vossenack und Hürtgenwald. Da Herr Lüder vom Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde in Hürtenwald seine Themen an mehreren Stellen behandelt hat wurden Fahrgemeinschaften gebildet und diese Punkte nacheinander angefahren.

 

Her Lüder hat folgende Themen ausgewählt:

1. Borkenkäferproblematik 2019 und Besichtigung verschiedener Käferflächen

Im Jahr 2018 mußte der schlechteste Waldzustand seit 1984 festgestellt werden. Nachdem zunächst der Sturm "Friederike" im Januar schon große Schäden angerichtet und im April bereits der Hitzesommer begonnen hatte, hat großer Trockenstress stark die Vitalität und Abwehrkräfte der Bäume geschwächt. Außerdem bildeten viele Baumarten stärker als sonst viele Samen, was zusätzlichen Stress für die Bäume bedeutete. So konnten sich die Borkenkäfer massenhaft vermehren und hatten leichtes Spiel. Mit 3 Generationen in einem Jahr
wurden die Fichten befallen. Normalerweise "ersaufen" gesunde Bäume die Borkenkäfer mit ihrem Harz, was jedoch so nicht mehr funktionierte. Die häufigsten Borkenkäferarten bei uns sind der Buchdrucker, dessen Fraßbild wie ein aufgeschlagenes Buch aussieht, und der Kupferstecher, der sich vorwiegend in den Kronen der Bäume aufhält.
Durch das große Überangebot von minderwertigem Holz gab es einen großen Preisverfall. Während die Holzpreise üblicherweise bei 70-80 € pro Festmeter liegen, können z.Z. oft nur 18€ pro Festmeter erzielt werden, was einen enormen Einnahmeverlust sowohl für private Holzbesitzer als auch die Forstwirtschaft und damit die Kommunen bedeutet. Die Fördermittel des Landes NRW reichen oft noch nicht einmal, um die durch Holzabfuhr beschädigten Wege wieder in ordentlichen Zustand zu versetzen.

2. Pflege und Erhaltung der Naturschutzflächen in der weißen Wehe

3. Pflege und Erhaltung der Naturschutzflächen in der roten Wehe

4. Geschichte der Biber – Rückblick und Aussichten

Nachdem Biber fast zwei Jahrhunderte bei uns ausgestorben waren, wurden 1981, 1985 und 1989 im Bereich des Hürtgenwalds an der
roten und weißen Wehe wieder Tiere angesiedelt. Sie vermehrten sich überraschend stark und sind heute an der Rur von der Quelle bis zur Mündung zu finden. Mittlerweile sind sie auch an Ourthe und Maas in Belgien etabliert sowie an Schwalm und Nette.
Biber sind reine Vegetarier und ernähren sich vor allem von Sträuchern, Kräutern, Blätter, Knospen sowie Zweigen und Rinden von Weichhölzern wie Weiden, Pappeln und Espen, die in Ufernähe wachsen. Aber es konnte beobachtet werden, daß sie sogar Buchen fällen.
Mit diesem Material, aber auch Erde und Steinen bauen sie Staudämme und schaffen dadurch neue Lebensräume. Sie tragen zu einer deutlichen Erhöhung der Artenvielfalt und der Biomasse bei. So können sich neue Amphibien wie Grasfrosch, Wasserfrosch, Erdkröte, Geburtshelferkröte, verschiedene Molcharten und Salamander ansiedeln, von denen wiederum z.B. die Ringelnatter profitiert. Aber auch Libellen, Fische, Störche und sogar der Iltis finden sich wieder ein.
Biber sind großartige Landschaftsgestalter. Sie renaturieren Gewässer schnell, kostengünstig und ohne Genehmigung. Damit stellen sie aber auch ein hohes gesellschaftliches Konfliktpotenzial dar. Um ein erfolgreiches "Biber-Management", das sowohl Konflikte als auch Ökosystem-Dienstleistungen berücksichtigt, bemühen sich daher verschiedene Institutionen, ja es gibt sogar sog. Biber-Beauftragte.

Im Anschluß an die Exkursion gab es ein Kaffetrinken im Forsthaus mit dem von Frau Lüder gebackenen Kuchen.

Rolf Berger

Fotos, Zusammenstellung/Aufbereitung: K. Heidtmann