Eine Halbtagswanderung im Aachener Wald stand an, und während bei strahlendem Winterwetter unsere Gruppe freie Fahrt nach Aachen hatte,

wälzte sich in Richtung Eifel eine nicht enden wollende Blechlawine . Der Schnee im Wald konnte zwar mit dem Eifelschnee nicht mithalten, aber es war immer noch genug, die Landschaft zu genießen und vorsichtig am Rande der teils vereisten Wege unsere Runde zu drehen. Der "Öcher Bösch" liegt etwa 3,7 km südlich des Stadtzentrums Aachen und hat eine Größe von 2.357 ha. Er umfasst im Wesentlichen die Waldgebiete der ehemaligen Freien Reichsstadt Aachen südlich und westlich der früher selbständigen Gemeinden Burtscheid und Forst sowie nördlich und östlich der belgischen Grenze. 2003 erhielt der Aachener Wald auf Initiative von Greenpeace das Umweltsiegel des Forest Stewardship Council (FSC) zuerkannt.
Vom Parkplatz an der Monschauer Straße aus wanderten wir in Richtung Pionierquelle. Diese wurde im Jahr 1940 von einer Pioniereinheit der Wehrmacht angelegt. In der Nachkriegszeit wurde die Quelle von Aachenern als Trinkwasserstelle genutzt.
Von hier aus ging es weiterhin durch hohen Mischwald nach Alt-Linzenshäuschen an der Eupener Straße, einem ehemaligen Wachtturm des früheren Aachener Reiches, erbaut um 1410. Um 1510 wohnte dort in seiner Dienstwohnung ein städtischer Turmwächter und Forstbeamter namens Lenz. Er wurde als Holzdieb und Waldfrevler stadtbekannt und verspottet als "Leensgyn up ghen huysgijn". Bereits ab Ende des 16. Jahrhunderts sprach keiner mehr vom Wachtturm Brandenberg, und die personenbezogene Bezeichnung gelangte in die amtlichen Urkunden und Karten und entwickelte sich zu "Linzenshäuschen", das Anfang 18. Jahrhundert ein Bewirtungshaus sowie eine Scheune erhielt, wo a) sich Reisende stärken und b) sie ihre Pferde wechseln oder versorgen konnten. Hier war auch eine Zollstelle zur Erhebung einer Wegemaut sowie der Mahl- und Schlachtsteuer. Ein gegenüber liegender Brunnen diente als Pferdetränke und erhielt später eine Rabenskulptur, er heißt auch heute noch "Rabenbrunnen".
Anfang des 19. Jahrhunderts wurde eine neue Gastronomie weiter unterhalb errichtet mit großzügigem Glaspalast und Musikpavillon, genannt Neu-Linzenshäuschen, welche Mitte des 20. Jahrhunderts aus Kostengründen abgerissen wurde. Alt-Linzenshäuschen ist bis heute eine gepflegte Aachener Gastronomie.
Belustigt erinnerten sich mehrere Wanderteilnehmer daran, daß sie in den 1950-60iger Jahren in Neu-Linzenshäuschen beim
Tanztee, man war ca., 16,17,18 Jahre alt, das Tanzbein geschwungen haben.
Es ging weiter nach Siebenwege, wobei wir den Düsberg mit dem Pelzerturm aus Zeitgründen ausgespart haben. Der Pelzerturm erinnert an den zur Jahrundertwende beliebten Oberbürgermeister Ludwig Pelzer. Der Turm diente als höchste Erhebung im Aachener Stadtwald (360m über NN) der verteidigenden Flak als Beobachtungsposten und wurde im Oktober 1944 von amerikanischen Truppen gesprengt. Ein Karnevalslied der "3 Atömchen" singt von einem "Indianerstamm am Pelzerturm" , woran sich auch wieder einige "Öcher" erinnern konnten. Zügigen Schrittes ging es an den beiden Stauweihern Diepenbenden und Kupferbach vorbei mit einem letzten Anstieg durch den schon dunkler werdenden Wald zur Monschauer Straße und unserem Parkplatz. Auf der Heimfahrt begegnete uns wieder die Blechlawine von morgns in umgekehrter Richtung, und wir hatten wiederum freie Fahrt. Im Brunnenhof gab es noch eine fröhliche Einkehr bei Kaffe und bewährtem leckeren Kuchen.

Wanderführer: Hubert u. Elfriede Baumsteiger

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