Bei recht angenehmem Wetter machten sich 10 Wanderfreund*innen zu einer Wanderung an Wüste- und Püngelbach im Nationalpark Eifel auf. Wf. Helga Giesen hatte diese Tour anstelle der ursprünglich geplanten Runde durch die Teverener Heide angeboten, denn dort war leider von der erhofften lila Blütenpracht nichts zu sehen, so dass die weite Anfahrt nicht lohnend gewesen wäre.
Gestartet wurde am WP Wahlerscheid an der B256 hinter Höfen. Zunächst ging es auf dem „Wildnis-Trail“ entlang des Wüstebachs aufwärts in Richtung Erkensruhr, erst auf einem bequemen Forstweg auf der Höhe über dem Tal, in dem das Quellgebiet des Wüstebachs liegt. Später führte dann ein etwas abenteuerlicher Pfad hinab in die tiefe Schlucht des Bachbetts. Hin und wieder erschreckte die Wanderer ein Krachen in den Hängen des engen Tals. Das Geräusch wurde verursacht durch „Trockenbrüche“, wie uns Petra erläuterte, die infolge der langanhaltenden Dürre an den alten Bäumen auftreten. Die Warnhinweise, die auf Tafeln entlang des Weges dazu auffordern, die Bereiche „zügig zu passieren“, hatten wir ja auch auf früheren Wanderungen schon öfters gesehen, aber bisher nicht so richtig ernst genommen. Zum Glück erfolgten die Abbrüche hoch über dem Weg und gefährdeten niemand.
Wie trocken die letzten Monate waren, zeigte sich auch am Wüstebach selbst. Das normalerweise munter plätschernde Flüsschen, das im Winter auch mal zu einem reißenden Bach anschwellen kann, war nahezu versiegt und konnte jetzt in der Talsohle trockenen Fußes durchquert werden – kaum zu glauben, dass die dort liegenden, als Brücke dienenden Trittsteine auch mal überspült waren, wie die Wf. berichtete.
Unterwegs waren auch immer wieder beeindruckende Schieferformationen zu sehen. Erste Zeugnisse über den Abbau und die Verwendung des Schiefers zum Dachdecken und Verkleiden von Wänden vornehmlich in Monschau finden sich bereits Anfang des 16. Jahrhunderts. Ab 1791 wurde der Abbau dann in größerem Umfang betrieben durch den Monschauer Schöffen Johann Joseph de Berghes. Das ist belegt durch die Abgaben, die er dafür zu entrichten hatte. Er beschäftigte dazu wohl auch französische Facharbeiter, 1825 verkaufte er die Schiefergruben an den „Leygrubenmeister“ Nicolas Dardenne. 1850 wird erstmals der Hof Leykaul als dessen Wohnsitz urkundlich erwähnt. 1948 wurde der Abbau, der zuletzt von einem Bauunternehmer aus Einruhr betrieben wurde, endgültig eingestellt, Eingänge zu den Gruben sind noch zu sehen. Die Höhlen dienen heute Fledermäusen als Winterquartier.
Am Zusammenfluss von Wüste- und Püngelbach, die ab hier die Erkensruhr bilden, ludt ein Picknickplatz zur wohlverdienten Mittagpause ein. Zurück ging es dann den Püngelbach aufwärts, zunächst wieder über einen festen Weg oberhalb der Talsohle, dann über einen kleinen Trampelpfad durch das Tal. Eine üppige Vegetation u. a. von Bärwurz und Mädesüß zeigte an, dass man hier ein Auengebiet durchquerte, das sogar jetzt noch recht feucht war. An einigen Stellen sorgten Stege dafür, dass man trotzdem trockene Füße behielt. Über die Girvelsteiner Schneise und Waldwege parallel zur B258 führte der Weg zurück und nach gut 15 km grüßte uns wieder der Rangerhut am Parkplatz.
WF Helga Giesen
Fotos: I. Steven
Zusammenst./Aufber.: I. Steven