Erfreulicherweise hatte der Wetterbericht Recht behalten: Bei zwar frostigen Temperaturen und zeitweise auch böigem Wind, aber strahlendem Sonnenschein machten sich sechs „Karnevalsmuffel“ am Tulpensonntag auf zu einer Tour beiderseits der Weser zwischen Roetgen und den Ausläufern der Eupener Talsperre.
Gestartet wurde am Bahnhof in Richtung Petergensfelder Schützenhaus. Hier begann der erste Aufstieg durch den Raerener Weserberg. Auf dem Höhenweg ging es in Richtung NSG Neuwald und parallel zur Vennstraße zwischen Petergensfeld und Eupen weiter bis zur Gemarkung Mooshardt, wo sich ein sonniges Plätzchen für die Bananenpause fand.
Waren die Wege bis hierhin noch einigermaßen gut zu begehen - wegen des Frostes in der vergangenen Nacht hielt sich der befürchtete Schlamm in Grenzen -, so wurde es jetzt etwas abenteuerlicher. Für den steilen Abstieg zur Talsperre wurden die Wanderer mit einem fantastischen Blick über den See bis hin zur Staumauer belohnt. Ein uriges Pfädchen führte nun weiter entlang des Ufers, teilweise recht nah an der Wasserkante, in Richtung „Bellesforter Brücke“. Hier war die nächste Pause wohlverdient.
Auf dem bequemen Forstweg, immer mit Blick auf die ungewöhnlich viel Wasser führende Weser, ging es bergauf zur „Kupfermühle“ und dann über die „Oude Brug“ weiter bis zur Einmündung des Eschbachs. Ab hier wurden inzwischen aufgetaute Wege und auch einige namenlose Zuflüsse zum Eschbach, die sonst mühelos überquert werden können, jetzt aber ebenfalls deutlich angestiegen waren, zu einer kleinen Herausforderung.
Kleine Pfade quer durch etwas unwegsames Gelände führten zurück zur Weser und ab der Brücke wurde dann der letzte Abschnitt in Angriff genommen. Der schon von früheren Wanderungen bekannte Aufstieg durch den Roetgener Weserberg endete am WP Mühlenstraße und dann waren es nur noch wenige hundert „trockene“ Meter bis zum Ausgangspunkt am Roetgener Bahnhof.
Wf. Helga Giesen
Bellesforter Brücke: 1840 erbaut, Name kommt von „Bellesfurt“, die eine Weserquerung des Öslinger Wegs (siehe Oude Brug) zwischen Raeren und Reinartzhof war. Heute liegt sie im Einzugsbereich der Eupener Talsperre.
Oude Brug an der Einmündung des Eschbachs in die Weser. Hier war der Weserübergang im Verlauf des Öslinger Wegs von Aachen-Köpfchen kommend über Raeren, der zwischen 1100 und 1400 von Pilgern zwischen Aachen und Trier genutzt wurde. Die Oude Brug wird 1383 in einer Rechnung der Reichsstadt Aachen erwähnt, die dem „Begard“ vom Reinart Geld für die Instandsetzung des Geländers zahlte.
Kupfermühle (1765 – 1794): Der Eschbach bildete die Grenze zwischen den Herzogtümern Limburg und Jülich. Als die Jülicher die Ausfuhr von verarbeitetem Kupfer verboten, war die auf ihrem Gebiet liegende Stolberger Kupferindustrie davon stark betroffen. Die Stolberger Kupferschläger erwirkten deshalb die Erlaubnis, auf Limburger Gebiet nahe der Oude Brug eine Kupfermühle zu errichten. Es scheint jedoch, dass die Mühle weniger der Produktion als vielmehr dem Schmuggel der Stolberger Erzeugnisse gedient hat. Mit den napoleonischen Gebietsveränderungen wurden die Herzogtümer Limburg und Jülich aufgehoben und der Eschbach war keine Grenze mehr. Die Kupfermühle wurde aufgegeben und ist schon in der Tranchot-Karte von 1804 nur noch als Ruine verzeichnet.
Fotos: I. Steven
Zusammenst./Aufber.: I. Steven