Bei sonnigem Wetter machten sich 25 Wanderfreunde auf den Weg nach Zülpich zur Eifelspuren-Themenwanderung "Ritter, Römer, Rüben". Vom Parkplatz am Adenauerplatz ging es über die Bonner Straße in die Säulenhainbuchenallee, die direkt zum Zülpicher See führt.
Beiderseits befanden sich abgeerntete Rübenfelder. Die Zülpicher Börde ist gekennzeichnet durch fruchtbare Lößböden und ein niederschlagsarmes Klima. Hier fand 2014 die Landesgartenschau statt. Der See entstand nach Einstellung des Braunkohlentagebaus im Jahre 1969 und wird heute als Wassersportsee und Freizeitpark genutzt. Im Winter allerdings ist er ein Mekka für Wasservögel aller Art, die meist aus Skandinavien kommend, hier die kalte Jahreszeit überstehen können. Beim Rundgang um den See, der z.T. ganz nah am Ufer verlief, konnten die Wanderer verschiedene Enten, Gänse, Taucher, Möwen und Schwäne beobachten. Eine kleine Pause wurde am Parkplatz beim Haupteingang eingelegt.
Über die Mehlbaumallee gelangte man hinter dem Kloster Marienborn (heute psychiatrische Klinik) zum Ortsteil Hoven, der heute zur Stadt Zülpich zählt. Wie Trier ist Zülpich eine der ältesten Städte Deutschlands und hieß bei den Römern Tolbiacum. Bekannt wurde der Ort durch eine Schlacht im Jahre 496, als der Merowingerkönig Chlodwig die Alemannen hier besiegte. Frankreich sieht dies als Geburtsstunde der "Grande Nation", weshalb in Paris eine Straße, eine Brücke und eine U-Bahn-Station nach Tolbiacum benannt wurden.
An der Nideggener Straße wurden die Wanderer von einem ortskundigen Bürger erwartet, der die Gruppe auf einer kleinen Stadtführung begleitete. Erster Anlaufpunkt waren die Römerthermen, die zu den besterhaltenen nördlich der Alpen zählen. Hier steht auch das Museum der Badekultur. Gleich daneben erhebt sich die nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaute Kirche St. Peter, wo die Krypta aus dem 11. Jhdt. und zwei schöne Flügelaltäre besichtigt werden konnten. Der damalige Pfarrer von Lutzenberger kam Heiligabend 1944 bei der Bombardierung Zülpichs in der Kirche ums Leben. Wenige Schritte weiter befindet sich die weithin sichtbare Landesburg, das Wahrzeichen Zülpichs. Sie beherbergt heute Wohnungen und ein kleines, vom Geschichtsverein geführtes Heimatmuseum, das uns zu einem kurzen Besuch einlud. Früher gab es hier eine Kornbrennerei, in der bis 1990 der Kornbrand "Alter Sieger" hergestellt wurde. Eine Brücke führt über den Wallgraben in den zweiten Teil der Landesgartenschau mit neu angelegten Parkarealen. Vorbei an Rosengärten und von Misteln befallenen kleinen Bäumen gelangte man in Kehren zu einem Spazierweg unterhalb der Stadtmauer. Eine Obstbaumwiese erstreckte sich bis zur eindrucksvollen Doppelturmfassade des Weiertors. In diesem und im nächsten Stadttor, dem Bachtor sowie in zwei weiteren Stadttoren (Kölntor und Münstertor) haben Karnevalsvereine ihren Sitz. Die ansteigende Bachstraße brachte die Gruppe zum weitgehend autofreien Marktplatz, unter dem sich spätrömische/frühmittelalterliche Gräber befinden. Ein markantes Gebäude ist der alte Rathausturm. Schließlich ging es noch zur ehemaligen Kirche St. Martin, die dreimal abgebrannt und wiederaufgebaut wurde. Heute wird sie als Bürgerbegegnungszentrum genutzt. Gleich daneben weisen Gedenktafeln auf die frühere Synagoge hin.
Zum Abschluß der sehr informativen Stadtführung begaben sich die Wanderer in das Café "Zöllesch", wo sie allerdings wegen großen Andrangs und personeller Unterbesetzung recht lange auf Kaffee und Kuchen warten mußten.
Gesamt ca. 9 km
WF Rolf Berger
Fotos: R. Berger, K. Heidtmann, I. Steven
Zusammenst./Aufber.: I. Steven