Unsere heutige Tour führte uns an den Südrand des Aachener Waldes. Gestartet sind wir am Waldparkplatz „Am Preusweg“. Der Name Preuswald stammt aus dem Mitteldeutschen: „Preus“ bedeutet „Grenze“. Passend dazu stößt man hier auf zahlreiche historische Grenzsteine, die die deutsch-belgische Grenze markieren.
Das Wandern in diesem wunderschönen Mischwald war abwechslungsreich und fordernd zugleich.
Neben breiten, gut begehbaren Wegen erwarteten uns auch schmale Wurzel- und Trampelpfade, fast zugewachsene Waldwege, viele Höhenmeter und sogar kurze, steinige Anstiege, die schon an richtige Bergwanderwege erinnerten. Nach all den Aufs und Abs erreichten wir schließlich den Dreiländerpunkt – dort legten wir eine wohlverdiente, ausgiebige Mittagspause ein.
Gestärkt ging es anschließend entspannter weiter. Unser Rückweg führte über die Maladenwiese, den Geusenweg und durch den Friedrichwald bis zum Inneren Landgraben.
Unterwegs begegneten wir spannenden Zeugnissen der Geschichte:
Adlersteine (14. Jahrhundert): Mit dem Aachener Stadtadler verziert, markierten sie einst die Grenzen des Aachener Reiches.
Burgunderlinie (17. Jahrhundert): Burgundersteine grenzten eine Parzelle des alten königlichen Waldes ab, die das Herzogtum Burgund für sich beanspruchte – und sich 1611 damit durchsetzte.
Aktuelle Grenzsteine: Noch heute sieht man Steine mit den Kennzeichnungen „D“ (Deutschland) und „B“ (Belgien). Sie werden alle fünf Jahre von Vermessungsbeamten beider Länder überprüft und bei Bedarf erneuert.
Ein bemerkenswerter Abweichungspunkt in der Grenze ist die Maladenwiese. Ihr Name erinnert an „malade“ (französisch: krank). Hier befand sich im Mittelalter ein Lager für Leprakranke. Da niemand den Boden haben wollte, blieb er stets in deutscher Hand.
Später entstand das Melaten-Hospital, um sich um die Aussätzigen zu kümmern. Der heutige RWTH-Campus liegt an dieser geschichtsträchtigen Stelle.
Auch der Geusenweg hat eine bewegte Vergangenheit: Im 18. Jahrhundert nutzten ihn verfolgte Protestanten heimlich, um in Vaals zum Gottesdienst zu gelangen. Im Volksmund nannte man sie „Geusen“ (Bettler). Nach dem Zweiten Weltkrieg diente derselbe Weg sogar einige Jahre als Schmugglerpfad – bekannt als „Kaffeegasse“.
Am Inneren Landgraben schließlich beeindruckten uns die uralten, knorrigen Hainbuchen mit ihren bizarren Formen. Kein Wunder, dass dieser Abschnitt im Volksmund auch „Hexenwald“ genannt wird.
Erschöpft, aber glücklich und unversehrt erreichten wir nach gut 15 km schließlich wieder unseren Startpunkt.
WF Irene Steven
Fotos: I. Steven
Zusammenst./Aufber.: I. Steven