Nach mehreren coronabedingten Verschiebungen bzw. Absagen kam kurzfristig eine Einladung zur Herbsttagung der Kulturwarte 2021, die tatsächlich auch am 13. November im Katholisch-Sozialen Institut in Siegburg zum Thema DIE ZUKUNFT DER EIFELKLÖSTER stattfand.

 

 

Neben Vulkanen und Maaren sind die Klöster ein wichtiges Charakteristikum der Eifel - Himmerod, Maria Laach, Steinfeld und Mariawald waren über Jahrhunderte hinweg Zentren des Glaubens, der Wissenschaft und Kultur.

Siegburg mit seiner schon von weitem sichtbaren Abtei auf dem Michaelsberg, 1064 als Benediktinerabtei vom (letzten heiliggesprochenem) Kölner Erzbischof Anno II. gegründet, wurde als ein passender Tagungsort ausgewählt, um sich mit diesem vielschichtigen Thema auseinanderzusetzen.
Obwohl mit einer insgesamt langen geistlichen Nutzung gesegnet, entging auch St. Michael nicht der Säkularisation und wurde 1803 aufgehoben, seine Bauten dienten anschließend verschiedenen profanen Zwecken (u.a. als Sitz des Landrats, Irrenanstalt bzw. Zuchthaus). 1914-2011 wurde das Kloster von niederländischen Benediktinern wiederbesiedelt, heute beherbergt es das Katholisch-Soziale Institut des Erzbistums Köln sowie ein kleines Karmelitenkloster mit aus Indien stammenden Ordensleuten, die seelsorglich tätig sind. Ein gelungenes Beispiel, wie Sakralbauten in der modernen Zeit genutzt werden können. Nur leider kann man nicht aus jedem Kloster eine (kirchliche) Bildungseinrichtung machen.

Die Zukunft vieler anderer Klöster ist heute (noch) ungesichert. Auf der einen Seite kämpfen monastische Gemeinschaften noch um ihr Überleben - Nachwuchsmangel und wirtschaftliche Probleme bereiten ihnen Schwierigkeiten. Als Beispiel, die Trappistinnen aus Mariafrieden/ Dahlem ziehen in das kleinere Steinfeld, da die Liegenschaft für sie zu groß geworden ist.
Auf der anderen Seite verändern die Reformprozesse in den Bistümern die Rahmenbedingungen.

Neue Ideen sind gefragt, um diesen wichtigen und identitätsstiftenden Kulturgütern unserer Region eine Zukunft zu sichern. Eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte, interdisziplinär vernetzte, universitäre Forschungsgruppe (TRANSARA) hat sich das Ziel gesetzt, eine praxisrelevante Theorie des sakralen Raumes im 21. Jahrhundert zu erarbeiten. Zwei der sieben Projektpartner konnten als Vortragende für die Kulturwartetagung gewonnen werden.

In insgesamt vier Referaten wurden kunsthistorische und theologische, vom ehemaligen Bürgermeister Manderscheids dagegen sehr praktisch-ökonomische Betrachtungen angestellt. Dabei standen (beispielhaft) vier ehemalige Eifel-Klöster im Mittelpunkt:
(I) in Himmerod wurden nach der Insolvenz 2011 durch die Gründung eines Fördervereins die maroden Betriebe wiederbelebt. Nach dem Willen des Bistums Trier soll das ehemalige Kloster zukünftig als Jugendhaus fungieren
(II) für Mariawald wird aktuell ein duales Konzept (profan neben Gemeinschaft) gesucht
(III) Steinfeld, das nach der diesjährigen Flut im wahrsten Sinne des Wortes als Zufluchtsort und provisorische Arztpraxis fungierte, soll zukünftig Kunstort mit angeschlossenem Hotelbetrieb werden
(IV) Reichenstein wurde 2008 verkauft und seitdem wieder als Kloster genutzt.
Nach der Mittagspause begann eine kurze Stadtführung, da wegen Restaurierungsarbeiten keine Besichtigungen im Abtei-Komplex selbst möglich waren.
Kurzer geschichtlicher Abriss:
Seit dem 9. Jahrhundert gab es schon auf dem Berg eine Burg, die sich im Besitz der Ezzonen (lothringische Pfalzgrafen) befand, dazu am Fuße des Berges eine kleine Siedlung mit einer Kirche. Da die Grafen zugleich auch Vögte des Maastricher Servatiusstift waren, brachten sie der kleinen Kirche das Patrozinium des hl. Servatius.
Im Jahre 1060 fand die Vertreibung des letzten Pfalzgrafen durch Erzbischof Anno II. von Köln statt. Er gründete daraus die Abtei Michaelsberg. Der Abt des Klosters wurde damit gleichzeitig Herrscher über die Siedlung am Fuß des Berges. Schon vier Jahre später, im Jahr 1069, erhielt Siegburg die Markt-, Zoll- und Münzrechte von König Heinrich IV., dazu noch vor 1182 das Stadtrecht.
Als Anhänger der damaligen Reformbestrebungen innerhalb der Kirche machte der Erzbischof Anno II. die Abtei zu einem Zentrum der Erneuerung des benediktinischen Mönchtums, als „Siegburger Reform“ bezeichnet. Nach seinem Tod wurde Anno 1075 auch in der Abtei beigesetzt (er war bei den Kölner Bürgern aufgrund seines bisweilen skrupellosen Charakters nicht so gut gelitten und musste sogar mal bei Nacht und Nebel durch die “Katzenpforte” in der Stadtmauer aus Köln fliehen). Die Abtei erreichte 1183 seine Heiligsprechung, was seitdem noch mehr Pilger anzog.
Seit ca. 1000 gilt Siegburg als Töpferstadt, mit besonderen Blütezeiten um 1300 und 1500. Die Entwicklung des Töpferhandwerks setzte somit wesentlich früher ein als in der ebenso bekannten rheinischen „Töpferstadt“ Frechen. Damit war die Stadt finanziell sehr gut gestellt, insbesondere seit 1285 (nach Kölner Stadtrecht hatte sie Zugang zum Handelsnetz der Hanse. Per Schiff wurde die Ware befördert, weshalb Siegburger Krüge heute im gesamten Hanseraum bis Nowgorod nachzuweisen sind). Es konnte somit - parallel zur Abteikirche - schon in romanischer Zeit eine größere Pfarrkirche errichtet werden. Als Baumaterial für zahlreiche Bauten jener Zeit wurde der in den Wolsbergen abgebaute Tuffbasalt verwandt („Wolsdorfer Brocken“). Aus dieser Zeit stammt auch die Stadtmauer, die erst 1865 niedergelegt wurde und heute nur in Form weniger Überreste (Hexenturm) zu finden ist.
1944/ 1945 kam es bei Luftangriffen zu größeren Zerstörungen der Stadt (aufgrund ihrer westlichen Lage, ohne direkt an Frankreich zu grenzen und dem Vorhandensein eines Eisenbahnkreuzes war hier ein Zentrum preußisch-deutscher Munitionsproduktion). Die Abtei wurde dabei fast vollständig vernichtet. Als hätte das nicht gereicht, wurde die Stadt in den 70-ziger Jahren “modernisiert”, so das heute kein mittelalterlich geschlossenes Stadtbild mehr existiert. Somit fällt vor allem die Pfarrkirche St. Servatius mit ihren farblichen Fassungen sofort ins Auge.
Mit der Gründung der Abtei auf dem Siegberg wuchs die Siedlung am Fuße des Berges weiter, die alte (Vorgänger)Kirche wurde zu klein, so dass man in der Mitte des 12. Jhdt´s mit einem Neubau als dreischiffige romanische Emporenbasilika begann, der zugehörige Westturm wurde 1220 fertiggestellt. Nur knapp 50 Jahre später entstand der heutige gotische Chor, doch verhinderten finanzielle Nöte die geplante weitere Gotisierung. Erst 1503 begann der große Umbau: das flache Schiff wurde nun im hochgotischen Stil überwölbt, das südliche Seitenschiff abgerissen und verbreitert wieder aufgebaut. Mit der letzten, großen Renovierung der Servatiuskirche 2014/15 wurde dem Kirchenschatz der Alten Abtei auf der Südempore eine neue Ausstellungsfläche gegeben. Schon Anno legte den Kirchenschatz-Grundstock durch die Schenkung bedeutender Reliquien. Heute stehen hier vier Großschreine, unter anderem der berühmte Annoschrein aus der Werkstatt des Nicolaus von Verdun, der auch den Drei-Königenschrein im Kölner Dom schuf.  Der fünfte, der Apollinarisschrein, steht im Hochaltar, gestaltet im Stil eines mittelalterlichen Prozessions-Umgangsaltars.
Daneben sind die uralten, sehr kunstvoll gestalteten Textilien bemerkenswert. 1000 Jahre alt ist z.B. das in der Schatzkammer ausgestellte Löwentuch aus Seide. Es stammt aus dem Umfeld der Kaiserin Theophanu, hergestellt wahrscheinlich in Byzanz. Nach ihrer Beisetzung in Köln gelangte das Tuch in kirchlichen Besitz, die Gebeine Annos wurden zu seiner Heiligsprechung darin eingewickelt. In den angrenzenden Tresorräumen finden sich weitere Reliquiare, Tragaltäre, auch der elfenbeinerne Annokamm und –stab, womit der Servatiusschatz als bedeutendster Kirchenschatz aus Staufischer Zeit nördlich der Alpen gilt.

Diana Hofmann

 

Fotos: D. Hofmann

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