Das unerwartet gute Wetter hatte am Sonntagmorgen 26 Eifelfreunde dazu gebracht, die Wanderschuhe zu schnüren und auf eine ca. zwölf Kilometer lange Tour zwischen der Abtei Mariawald und dem Wallfahrtsort Heimbach im Rurtal zu gehen.


Vom Parkplatz an der Abtei führte ein kurzer Anstieg zur Kriegsgräberstätte, die einen guten Blick auf die Klosteranlage bot. Auch der Weitblick war beeindruckend, mit dem Fernglas konnte Rolf Berger sogar am Horizont den Kölner Dom ausmachen.
Nach einigen Informationen zum Kloster und zur Heimbach-Wallfahrt von Wf. Helga Giesen (s. u.) ging es über einen – glücklicherweise nicht mehr vereisten – urwüchsigen Pfad zunächst immer bergab durch das Herbstbachtal, bis schließlich ein recht bequemer Wanderweg erreicht wurde. Er führte auf halber Höhe durch den Kermeter mit immer wieder schönen Blicken auf das Staubecken Heimbach, den Stausee Schwammenauel, den Heimbacher Ortsteil Hasenfeld und das neue Ferienresort „Eifeltor“, das später umrundet wurde. Dann war auch bald das Jugendstilkraftwerk Heimbach erreicht, wo eine kurze Rast eingelegt wurde.
Eine sehr schöne, als „Dschungelpfad“ bekannte Passage entlang des Staubeckens brachte die Wanderer nach Heimbach, die Rur wurde überquert und nach einem kurzen Weg durch den Kurpark wartete dann die größte Herausforderung dieser Wanderung, der ca. 1,5 km lange Aufstieg wieder hinauf nach Mariawald. Die Vorfreude auf die legendäre Erbsensuppe in der Klostergaststätte half, die 200 Höhenmeter entlang der 14 Stationen des Kreuzweges zu meistern.

Abtei Mariawald
Die Geschichte der Abtei Mariawald nahm ihren Anfang mit der Aufstellung einer Pietà im Wald bei Heimbach. Der Heimbacher Strohdachdecker Heinrich Fluitter hatte sie 1470 gekauft und in einem hohlen Baumstamm zur Verehrung aufgestellt. Der Platz erwies sich jedoch als zu abgelegen, sodass Fluitter eine hölzerne Kapelle an einer Wegkreuzung baute und die Pietà dort aufstellte. Als immer mehr Pilger zur Pietà kamen, baute Fluitter eine Zelle an die Kapelle an und betreute von dort aus bis zu seinem Tod die Pilgerstätte.
1479 ersetzte der Heimbacher Pfarrer Johann Daum die Kapelle durch eine hölzerne Kirche und bat die Zisterzienser aus dem Kloster Bottenbroich (bei Kerpen) um Hilfe bei der Wallfahrtsbetreuung. Die Zisterzienser begannen mit dem Bau eines Klosters, das am 4. April 1486 bezogen wurde. Dieser Tag gilt als Gründungsdatum der Abtei.1539 wurde die neue steinerne Kirche geweiht.
Im Zuge der Säkularisation ab 1794 wurde das Kloster am 2. April 1795 aufgehoben. Die Pietà konnte gerettet und 1804 zusammen mit einem kostbaren Antwerpener Retabel von ca. 1520 in die Heimbacher Pfarrkirche St. Clemens gebracht werden, anderes Inventar wurde geplündert oder von den Franzosen verkauft. So befinden sich heute Teile der Kirchenfenster im Victoria and Albert Museum in London.
Ziel der Marienwallfahrer war jetzt das Gnadenbild in der Pfarrkirche. Als diese aufgrund der stetig steigenden Pilgerzahlen – noch heute kommen jährlich ca. 60.000 Pilger nach Heimbach – aus allen Nähten platzte, wurde gleich daneben die am 24. Mai 1981 geweihte Salvatorkirche errichtet, wo sich jetzt das Retabel mit der Pièta befindet .

Mönche kehrten erst 1860 nach Mariawald zurück, aber schon 1875 wurde das Kloster während des „Kulturkampfs“ erneut aufgehoben und stand zwölf Jahre lang leer, bis wieder Ordensleute einziehen konnten. 1908 wurde Mariawald zur Abtei erhoben.
Ein drittes Mal wurde das Kloster 1941 von den Nationalsozialisten wegen „staatsfeindlicher Aktivitäten“ aufgelöst. Von 1944 bis Februar 1945 befand sich hier ein Feldlazarett. 414 Menschen starben hier und wurden von den Mönchen auf einem Hang westlich des Klosters bestattet, heute Ehrenfriedhof.
Im Zuge der Ardennenoffensive wurde das Kloster zum großen Teil zerstört. 1946 wurde es von den zurückgekehrten Mönchen wieder in Besitz genommen. Der Wiederaufbau dauerte bis 1959.
Heute ist die Abtei Mariawald das einzige männliche Trappistenkloster in Deutschland. 2008 erteilte Papst Benedikt XVI. das Privileg, die Liturgie wieder nach lateinischem Ritus zu feiern. Zur Ausbildung von Priestermönchen führt die Abtei seit 2010 eine eigene Priesterausbildung durch („Hausstudium“).
Die Abtei Mariawald finanziert sich heute im Wesentlichen durch den Betrieb einer Gaststätte, eines Buchladens und eines Klosterladens. Spezialitäten sind u. a. Erbsensuppe und Klosterlikör sowie das Fluitter Tripel, ein 9-%-iges Starkbier nach klostereigener Rezeptur. Gebraut wird allerdings seit den 1960er-Jahren nicht mehr.

Das Wasserkraftwerk Heimbach wurde im Verbund mit der Urfttalsperre gebaut und am 8. August 1905 in Betrieb genommen. Es liegt zwar an der Rur, bezieht aber sein Wasser aus der Urfttalsperre über den 2,7 km langen Kermeterstollen, der 67 Höhenmeter oberhalb des Kraftwerkes in zwei Druckrohre übergeht. Die Turbinen wurden 1975 erneuert und liefern noch heute vor allem in den Vormittagsstunden Strom, um Belastungsspitzen abzufangen.

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