Mit einem neu geschaffenen Ehrenpreis will der Heimat- und Geschichtsverein (HeuGeVe) Roetgen künftig Bürger ehren, die sich besonders um Roetgen verdient gemacht haben. Erster Preisträger ist unserer ehemaliger langjähriger Vorsitzender Rolf Vogel.

Die Verleihung fand statt in den Räumen des Sponsors Betac Immobilien in der Roetgenbachstraße. HeuGeVe-Vorsitzender Dieter Fischer begrüßte dazu u. a. auch Bürgermeister Jorma Klauss und den Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Heimat- und Geschichtsvereine im Monschauer Land, Manfred Huppertz. Die Laudatio wurde gehalten von Helga Giesen. Anschließend überreichte der stellvertretende Vorsitzende Franz Schroeder ein in Glas gefasstes Laserfoto mit einem Roetgener Motiv sowie eine Urkunde an den Preisträger.

 

 

Laudatio für Rolf Vogel, 1. Preisträger des HeuGeVe-Preises

Liebe Mitglieder des HeuGeVe, liebe Gäste und nicht zuletzt lieber Rolf, um den es ja heute vor allem geht:

Ich freue mich sehr, dass ich zur Verleihung des 1. HeuGeVe-Preises an einen Bürger, der sich um Roetgen verdient gemacht hat, die Laudatio halten darf, und zwar für sein Gründungsmitglied Rolf Vogel. Ich kenne Rolf seit über 50 Jahren und habe in dieser Zeit vieles von dem Engagement für seinen Heimatort miterlebt, für das er heute ausgezeichnet wird.

Wenn man Rolf Vogels Verdienste um Roetgen würdigen möchte, kommt man nicht umhin, einen zweiten Verein zu nennen, der ihm seit mehr als einem halben Jahrhundert am Herzen liegt.

1961 war er, zusammen mit u. a. Herbert Steffens und meinem Mann Gottfried Giesen, Mitbegründer des Roetgener Eifelvereins. Er und Herbert Steffens waren dann bis 2014 ununterbrochen in verschiedenen Vorstandsämtern tätig, davon seit 1976 als Team Vorsitzender und Geschäftsführer. Gemeinsam haben sie vieles auf den Weg gebracht, was heute sowohl den einheimischen Bürgern als auch einer touristischen Nutzung dient: u. a. zahlreiche Bänke sowie Schutzhütten, Brücken und Stege im Roetgener Gemeindewald.

Dass in manchen Orten, wie in Höfen, Rott oder Breinig, Eifel- und Heimatvereine sogar unter einem Dach firmieren, kommt nicht von ungefähr, denn der Eifelverein hat sich nicht nur das Wandern, sondern auch – ich zitiere – den „Schutz historisch wertvoller Gebäude und Einrichtungen, kulturelle und kunstgeschichtliche Tätigkeiten, heimatkundliche Veranstaltungen etc.“ auf die Fahnen geschrieben und zur Würdigung von Ortsgruppen für „ ihre beispielgebenden, vorbildlichen, überdurchschnittlichen und ehrenamtlichen Leistungen“ auf diesem Gebiet den Wolf-von-Reis-Kulturpreis gestiftet. Das ehrenamtliche Engagement aller Mitglieder in unseren Vereinen ist dabei ein Punkt, den ich ganz besonders hervorheben möchte, auch im Hinblick auf die Leistungen von Rolf.

Auch im Roetgener Eifelverein hat es unter Beteiligung von Rolf Vogel schon früher Bemühungen gegeben, einen heimatkundlichen Arbeitskreis zu installieren. Erinnert sei dabei auch an den leider allzu früh verstorbenen Elmar Klubert.

Der Eifelverein fühle sich der Heimatgeschichte sehr verbunden, betonte Rolf Vogel dann auch auf einer ersten Versammlung von Interessenten zur Gründung des jetzigen Heimat- und Geschichtsvereins im Juli 2005, wies jedoch darauf hin, dass der Versuch damals daran gescheitert sei, dass die Beteiligten keine einheitlichen Ziele verfolgten. Aller Skepsis zum Trotz stellte er sich jedoch wenige Wochen später auf der Gründungsversammlung des HeuGeVe als Beisitzer zur Verfügung und unterstützte die Arbeit des Vorstandes mit Rat und Tat, zum Beispiel durch das Archivieren von Veröffentlichungen über den neuen Verein. Und sicherlich ist es auch seinem immer auf Ausgleich bedachten Wesen zu verdanken, dass sich diesmal eine zwar nicht immer konfliktfreie, aber letztendlich doch gedeihliche Zusammenarbeit entwickelte, die schon zu vielen Erfolgen des HeuGeVe geführt hat. Neben mehreren Buchveröffentlichungen konnte erst kürzlich die dritte Auflage des inzwischen sehr beliebten Fotokalenders für 2017 herausgegeben werden.

Rolf Vogel ist ein „echter“ Roetgener, wie es heutzutage nicht mehr allzu viele gibt. Aus einer alteingesessenen Familie stammend, wurde er 1937 im Kloster geboren. Abgesehen von einer Evakuierung zusammen mit Mutter und Schwester nach Thüringen und zwei beruflich in Düsseldorf verbrachten Jahren war er immer in Roetgen ansässig. Mit seiner Freundes-Clique war er voll in das dörfliche Leben der 50er- und 60er-Jahre eingebunden, vom sonntäglichen Kirchgang bis zum Kickerspiel in der Kneipe am Freitagabend, durch den Besuch von Veranstaltungen von Karneval bis Kirmes oder dem Wandern in der Natur, was damals noch im Sonntagsanzug mit Hemd und Krawatte vor sich ging, wie er sich kürzlich erinnerte. Im Roetgener Karneval stand er sogar mehrere Jahre als Aktiver auf der Bühne. Mit Herbert Steffens und Hans-Jürgen Barth bildete er ab 1963 das Trio „Die drei Halbstarken“, die das Dorfgeschehen des letzten Jahres auf die Schippe nahmen. Dabei entstand auch in Anlehnung an das Aachen-Lied das bis heute als Roetgener Hymne gesungene „Vür sönd va Rüetsche“, aber kaum einer weiß noch, woher diese stammt.

Mit dem bereits erwähnten Wolf-von-Reis-Kulturpreis wurde der Roetgener Eifelverein bereits zweimal ausgezeichnet, was insbesondere dem Engagement von Rolf Vogel zu verdanken war. Das war 2009 zum einen für einen von ihm erstellten Film über das Leben in Roetgen im Jahresablauf. Ab 2005 hat er auf jahrelangen Streifzügen durch den Ort und die Umgebung zunächst Gebäude und Denkmäler, ganze Straßenzüge und auch Landschaften festgehalten. Später kam ihm die Idee, auch besondere Ereignisse zu filmen und so richtete er seine Kamera auf die traditionellen kirchlichen und weltlichen Feste, kulturellen Veranstaltungen und Sportereignisse im Dorf. Das mehrstündige Material schnitt er schließlich, mit Musik unterlegt, zu einem einstündigen Film zusammen, der auch mehrmals mit Erfolg gezeigt wurde. Von besonderer Bedeutung sei dieser Film als Dokument für die nachfolgenden Generationen, weil hier in akribischer Kleinarbeit kulturelle Werte aufgespürt und festgehalten wurden, an die sich vielleicht schon in wenigen Jahren niemand mehr erinnert, würdigte bei der Preisverleihung der damalige Hauptkulturwart des Eifelvereins. Wie wahr! Der Film erweist sich heute, gut zehn Jahre nach seiner Entstehung, als Glücksfall auch für den HeuGeVe; denn er zeigt nicht nur inzwischen verschwundene ortsprägende Gebäude wie das Schmiddem-Haus, sondern dokumentiert auch andere Veränderungen. So ist hier noch die kath. Kirche vor dem Neubau des heute benachbarten Pfarrheims zu sehen. Auch einige Feste gibt es heute nicht mehr oder werden auf andere Weise gefeiert.

Besonders zu erwähnen ist zum anderen der jahrelange Kampf von Rolf Vogel und Herbert Steffens um das Naturdenkmal „Genagelter Stein“, der 2014 zur zweiten Preisverleihung geführt hat. U. a. hatte ihm HeuGeVe-Geschäftsführer Rolf Wilden in der Sonderausgabe der Roetgener Blätter zum Pfarrfest 2012 einen ausführlichen Beitrag gewidmet und seinen desolaten Zustand beklagt. Noch in den 1970er Jahren war der Grenzstein „Genagelter Stein“, nicht zuletzt auch dank des gleichnamigen Restaurants an der Bundesstraße, vielen Roetgenern bekannt. Dann geriet das Denkmal in Vergessenheit und im Zuge des Ausbaus des Gewerbegebietes verschwand auch der Zugang zu dem am Grölisbach gelegenen Vennwacken, der mit drei eingeschlagenen Nägeln die Grenze zwischen dem Herzogtum Limburg, der Abtei Kornelimünster und dem Herzogtum Jülich markierte. Im Juli 2013 konnte das wiederhergestellte Denkmal einschließlich einer neuen Zuwegung endlich wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Nicht von Erfolg gekrönt waren leider die Bemühungen der beiden um eine Wiederherstellung innerörtlicher, fußläufiger Verbindungswege, obwohl sich zwischenzeitlich auch die politischen Parteien des Themas angenommen hatten. Vielleicht eine Aufgabe für den HeuGeVe, da noch einmal nachzuhaken, obwohl sich die Situation inzwischen durch den Vennbahnweg schon verbessert hat.

Rolf Vogel und Herbert Steffens wurden übrigens 2012 mit der goldenen Verdienstnadel des Eifelvereins ausgezeichnet und jetzt übergebe ich das Wort an den stellvertretenden Vorsitzenden des HeuGeVe, Franz Schroeder, zur Preisverleihung an Rolf Vogel.

Roetgen, den 6. 11. 2016                                                                                                                 Helga Giesen

 

Zeitungsartikel dazu.

 

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